Nachlese

Unser Fachworkshop ist beendet. Wir wollen als Nachlese ein Fazit ziehen und einen Ausblick geben, wie und wo es weiter gehen kann. Denn – das ist für uns ein ganz eindeutiges und sehr erfreuliches Ergebnis – wir haben Themen angesprochen, die aktuell und brisant sind, und wir haben Diskussionen und Vernetzungen angeregt, die es wert sind, weiter verfolgt zu werden.

Anspruch  des Fachworkshops “Nachhaltigkeit. Klimawandel. Transformation.” war, mediale Kommunikationskonzepte und Kommunikationspraxis aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten:

  • Wie können Medien die Herausforderungen von Nachhaltigkeit, Klimawandel, Transformation kommunizieren?
  • Welche Themen werden in erfolgreichen Medien behandelt und gehören Nachhaltigkeit, Klimawandel, Transformation dazu, oder wenn nicht, warum?

Die  Beiträge aus Wissenschaft, Kommunikation und Projekten haben sich auf vielfältige Weise den Fragen gestellt und Antworten vorgeschlagen, aber auch auf Probleme, Hindernisse und weitere Fragen verwiesen.

Dr. Joachim Borner (KMGNE) zieht für die AG Medien ein erstes Resümee.

Die Ausgangsvorstellungen für den Fachworkshop bewegten sich um folgende Annahmen:

Medienkommunikation ist substanzielle Kulturtechnik und wesentliches (potenzielles) Handlungsfeld für nachhaltige Entwicklung, für Transformation und Klimakultur,

BNE braucht für eine „Große Transformation“ nicht nur andere Inhalte, sondern auch andere Ästhetiken, Symbole, Metaphern und Bilder, um Menschen zu gewinnen,

Wir sollten mediale Aktionsformen bewusst als Möglichkeiten für die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, für das Teilen, Mitteilen und die Teilhabe, für die Präsentation und den Austausch von Ideen und „robustem Wissen“ gestalten

und Medienkommunikation als Türöffner für gesellschaftliche Diskurse und Aushandlungsprozesse, „co-creation knowledge“ und transdisziplinären Austausch ansehen und ihr die Funktion eines Katalysators gesellschaftlicher Transformationsprozesse beimessen.

Ist das so? Sollten sich die Medienakteure, Kommunikatoren, Journalisten und Blogger, Träger von Plattformen u.a., die sich den Themen nachhaltiger Entwicklung, Klimakultur und Transformation annehmen mit mehr Selbstbewusstsein in das gesellschaftliche Lernen, in der Gestaltung „robusten Wissens“ zur Transformation und bei der kritischen Nutzung sozialer und audiovisueller Medienformate einbringen?

Die erste und wesentliche Frage war zwangsläufig die nach Herausforderungen an die Kommunikation. Um was geht es sowohl inhaltlich als auch und vor allem in gesellschaftlichen und kulturellen Anpassungs-, Empowerment- und Gestaltungsprozessen. In den identifizierten Herausforderungen steckt sehr viel Stoff zum Nachdenken, für Innovationen in Transition, für Bildungs- und Kommunikationsprojekte:

Nachhaltige Entwicklung ist ein Suchprozess mit Freiheitsgraden innerhalb von natürlichen Leitplanken

Armutsbekämpfung braucht die globale Perspektive, durch die der Erhalt der Lebensgrundlagen in die Armutsbekämpfung integriert wird: Klimawandel und Ozeanversauerung, biologische Vielfalt, Bodendegradation, Gefährdung durch persistente Stoffe, Verlust an Phosphor

Nachhaltige Entwicklung und „große Transformation“ brauchen eine problemadäquate Forschungspolitik – und dazu haben sich zivilgesellschaftliche Institutionen und ihre Netze zu „Playern“ zu entwickeln  und Selbstwirksamkeit auszuprägen.

Die Kommunikation von Klimakultur, Nachhaltigkeit und Transformation wird sich Kontroversen stellen, Ängste und Vorbehalte thematisieren und „wissensferne“ Bürger erreichen wollen – um zu „robustem Wissen“ nachhaltiger Entwicklung beizutragen.

Über die Kommunikation entsteht Bürgerwissen und das Bewußtsein, Souverän in der nachhaltigen Entwicklung werden zu müssen – z.B. um die Sprache und Deutungshoheit zu Transformation und Nachhaltigkeit nicht einzelnen Interessengruppen überlassen zu müssen und um Zukunftsbilder aus der Gesellschaft heraus zu entwerfen.

Wir waren ein Kreis von fast 50 Experten mit hundertfacher Expertise und einer Reihe von lessons learnt:

Es ist klug, Kommunikationen zur Klimawandel und Nachhaltigkeit an gesellschaftliche Anlässe und „Aufmerksamkeitsfenster“ zu binden. Das können anstehende große Ereignisse – wie COP Paris 2015, das können aber auch ungeplante Ereignisse – wie Fukujima sein. Bei ersterem bietet sich eine längerfristige „Kampagnen-„ oder Guerilla-Marketing-Planung an, bei dem anderen die schnelle Mobilisierung wissenschaftlicher und kommunikativer Ressourcen.

Es ist von Vorteil, bei der Kommunikation von Lösungs- bzw. Veränderungsvorschlägen mehrere Zielgruppen mit jeweils eigenem Vorschlag anzusprechen. Kommunikation bekäme hier die Funktion der Gesellschaftsberatung, die in verschiedenen Zielgruppen Potenziale von „change agents“ identifiziert und anregt, milieuspezifische Routinen zu verändern.

Dass sich Kommunikation eines proaktiven Wandels interaktiv und partizipativ strukturieren und gerieren muss, liegt in der Natur der gesellschaftlichen Metamorphose, die aus der Zukunft ihre aktuellen Handlungsmaximen ableiten will. Klimaschutz als Weltbürgerbewegung zu empfehlen, ist ein gutes Beispiel (WBGU)

Der Mix verschiedener Medienformate bei der Kommunikation ermöglicht es, „wissensferne“ Bürgergruppen zur Teilnahme an der Transformation einzuladen und völlig neue Kommunikationsformen – wie Reallabore – zu gestalten.

Es werden sich neue (arbeitsteilige) Netzstrukturen zur Kommunikation der „großen Transformation“ entwickeln, die vom Governanceansatz ausgehen, der am geschicktesten die Such- und Entwicklungsprozesse der (globalen) Gesellschaft gestalten und „steuern“ kann und der hinderliche alte Machtstrukturen in ihrer Einflussnahme relativiert. Selbstwirksamkeit der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft, der Politik ist hier das Stichwort.

Transformation zur Klimakultur braucht Geschichten – Episoden und „große Narrationen“, durch die sich „robustes“ Wissen, also Akzeptanz, Legitimation und Teilhabebedürfnis für die Transformation zu nachhaltiger Gesellschaft und zu einer Klimakultur ausbildet.

Diese Geschichten sind Geschichten, die sich aus der Zukunft erzählen, eine Vision, eine Vorstellung von möglichen Alternativen haben und daraus heutige Handlungsanforderungen, Verhaltens- und Spielregeländerungen sowie Gestaltungsentwürfe initiieren.

Diese Geschichten sind nicht nur wissenschaftliche Geschichten. Sie sind transdisziplinär erzählte Geschichten – von Trägern verschiedener Wissenstypen erzählt, die ihren eigenen Sprachstil haben, spezifische Medienformate bevorzugen und auch in eigenen Milieus agieren. So ist es wahrscheinlich und möglich, dass sich Geschichten transmedial erzählen lassen.
Mir fielen diese Vorschläge auf.

Einen Rückblick auf den Fachworkshop aus der Sicht von TeilnehmerInnen haben Marcel Gluschak | Kommunikation für Transformation: Vielfalt in Leitplanken und Kilian Rüfer | Unterwegs: Barcamp und Fachworkshop für UN-Dekade gemacht zusammen gefasst.

Ausblick

Der Workshop der AG Medien auf der Abschlusskonferenz der UN-Dekade war  ein erster Schritt, fortzusetzen und zu vertiefen, was im Fachworkshop begonnen hat.

Im Workshop der AG Medien: „Mediale Kommunikation von BNE und nachhaltiger Entwicklung – Erfahrungen, Konzepte, Herausforderungen“ stellte das CCCLab/KMGNE den konzeptionellen Ansatz transmedial gestalteter Narrationen zur Kommunikation von Transformationsprozessen im Klimawandel und zur nachhaltigen Entwicklung vor.

Zur Bonner Erklärung der UN Dekade hat Dr. Joachim Borner (KMGNE) einiges angemerkt, was nicht in der Erklärung steht.

Das openbook.nachhaltigkeitskommunikation.de bietet einen weiteren Ansatz, um sich in offener, aber intensiver und kritischer Form auszutauschen.